Stipe Božić: Vom „dalmatinischen Matterhorn” bis zum Gipfel der Welt

Stipe Božić: Vom „dalmatinischen Matterhorn” bis zum Gipfel der Welt

Nur eine Fahrstunde von der Makarska-Riviera und einigen der schönsten Strände in Kroatien entfernt eröffnet sich Ihnen unverfälschte reine Natur, wie sie bereits seit Jahrtausenden besteht. Auf der Dalmatina-Autobahn nimmt man die Ausfahrt Ravča, von wo aus es auf die Staatsstraße nach Vrgorac und danach auf die Ortsstraße zur Ortschaft Zavojane geht. Dort werden Sie von großartigen Steilhängen erwartet, um die ein kräftiger Bora-Wind pfeift; ein gewaltiges Spiel von Stein und kargen Wäldern mit herrlichen Aussichtspunkten, an denen das Blau des Adriatischen Meeres vorherrscht.

 

Im kroatischen Bergsteigerparadies mit dem wilden Gebirgszug Biokovo, der mit seinen Felsnasen fast schon in den Wolken lebt und der auf den kahlen (1247 m hohen) St. Michaelsgipfel blickt, der wegen seiner scharfkantigen Pyramidenform auch als dalmatinisches Matterhorn bezeichnet wird – hier ist Stipe Božić aufgewachsen, der erfolgreichste kroatische Bergsteiger und einer der erfolgreichsten Alpinisten der Welt.

 

Wahrscheinlich haben diese Anblicke aus der Kindheit bei Stipe Božić den Wunsch nach Höhen geweckt. So sind in seinem Bergsteigerbüchlein die sieben höchsten Gipfel aller sieben Kontinente: Mount Everest – Asien, Aconcagua – Südamerika, Mount McKinley – Nordamerika, Kilimandscharo – Afrika, Mount Vinson – Antarktis, Mont Blanc – Europa, Mount Kosciuszko – Australien), die drei höchsten Gipfel der Welt und drei kultige Achttausender: Mount Everest (8848 m), K2 (8611 m) und Kangchendzönga (8586 m) abgehakt. Der kroatische Alpinist stieg zweimal auf den höchsten Berg der Erde, Mount Everest, und wurde damit erst der zweite Europäer (nach dem legendären Italiener Reinhold Messner), dem dies gelang.

Stipe Božić Himalaya
Osobna arhiva Stipe Božić

Stipe Božić gab sich nicht mit dem bloßen Bezwingen der Berggipfel zufrieden. Wie der Held aus einem Roman von Jules Verne stieg er in die Mitte des Velebit-Gebirgszugs hinab, in die tiefste Grotte Kroatiens, die 1431 m tiefe Lukas-Grotte, als Teilnehmer einer internationalen Skiexpedition war er auch der erste Kroate am Nordpol. Gleichzeitig war er als anerkannter Regisseur, Schriftsteller und Fotograf auch Autor von über 100 Dokumentarfilmen, mehreren Büchern und vielen Fotos von seinen Expeditionen.

 

Der kroatische Alpinist begann als Junge bei den Pfadfindern mit dem Bergsteigen; danach schloss er die Bergsteigerschule im Bergsteigerverein Mosor in Split ab. Als 20-Jähriger lernte Stipe während seines Wehrdienstes Viki Grošelj kennen, einen zukünftigen hervorragenden slowenischen Alpinisten und seinen „Kletterbruder“ bei vielen Besteigungen im Himalaya-Gebirge.

 

Den größten Einfluss auf seinen weiteren Lebensweg und seine Berufung als Alpinist hatte die erste Expedition auf den Mount Everest im Jahr 1979, als er zum ersten Mal den höchsten Gipfel der Erde erklomm. Danach folgte Stipes „Spaziergang“ in den Wolken des Himalaya, das er nach den vielen Besteigungen fast schon so gut kennen lernte wie sein Biokovo. Lhotse, Manaslu, Kangchendzönga und wieder Mount Everest und K2.

 

Wenn man sich die Erfolge dieses kroatischen Alpinisten anschaut, bekommt man ein Gefühl, es handele sich um eine literarische Figur, eine Fiktion, die Indiana Jones, James Bond und die Jedi-Ritter miteinander kombiniert, doch Stipe Božić ist nur ein Mensch, der zu träumen wagte – ein Junge aus dem Hinterland des Biokovo, der seinen Traum von der Verschiebung der Grenzen wahr gemacht hat.